Friedhelm Mennekes SJ hat mir eine adventliche Feier aus seiner Feder überlassen. Gekürzt, ist daraus ein Text über die sieben Tröstungen entstanden. VS

I. SICH SELBST TRÖSTEN 

Wer weint, bekennt sich zu seiner eigenen Verletzlichkeit und damit zu seiner Bedürftigkeit. Aber er löst auch Spannungen und verhärtet sich nicht. Er gibt anderen die Chance der Tröstung und vermag selber wieder klarer zu sehen. 

Dorothee Sölle kennt das Gebet um Tränen 

Wer schläft, lässt seinem Körper die Ruhe und akzeptiert einen Rhythmus, der uns vorgegeben ist wie Ausatmen und Einatmen. Er besteht auch den Tag wacher und übt sich täglich-nächtlich ein in die Kunst der Gelassenheit. Selig der Mensch, der sich seiner Nacht, seinem Schlaf anvertraut. Dieses Vertrauen transzendiert, es führt hinüber ins weite Land der Seele. Und es führt damit in den göttlichen Funken, der in jedem Menschen lebt, oft verdunkelt und auf Sparflamme gehalten, in die großen Feuer zurück, aus denen wir kommen, in die wir einziehen: behütet, vorbereitet durch die Nächte, durch den Schlaf – in seinen Schoß. 

Wer badet, genießt, da er im Wortsinn, Gott ent-spricht. Er erfährt Freiheit, gerade weil er von sich absieht – hin auf den Grund seines Lebens. 

II. DIE ANDEREN TRÖSTEN  

Wer sich den Freunden öffnet, erfährt Erleichterung und erlebt am schönsten, was jeden betrifft: wir verdanken uns anderen. Denn von der Freundschaft kann man dasselbe sagen, was ein großer chassidischer Meister, Rabbi Mosch-Lieb, über die Liebe sagte: Wer den Funken finden will, muss ihn in der Asche suchen. 

Das Lachen ist wie ein Schaum, der sich auflöst, wenn man ihn festzuhalten versucht. Lachen kann man nur in einer Art gefühlsmäßiger Zurückhaltung, sonst kann man nicht lachen, weil das Tragische zu stark ist (Henri Bergson). In einer gewissen Weise sind Lachen und Weinen auch Zwillinge. Sowohl im Weinen wie im Lachen verliert der einzelne die Kontrolle über seinen Körper. Beim Weinen oder Lachen zerbricht die prekäre Kontrolle und Balance, die man normalerweise immer zwischen seinem Bewusstsein und körperlichen Dasein aufrechterhält.  Dadurch kann das eine auch immer in das andere übergehen – wenn auch die Auslöser jeweils sehr verschiedenen sind. Lachen und Weinen sind ähnlich verwandt wie Narren und Heilige. (Peter L. Berger) 

Wer wahr spricht, lügt nicht, dem wird geglaubt, vertraut… Offen sprechen – im Glauben an das fast nicht Mögliche; sprechen darüber, was das Leben auszeichnet und bewegt hat – auch das, was einen für andere fremd macht, worin man sich selbst aber finden kann. Das – womit oder worüber man in Streit geraten – über alles das sprechen – als ob man einem Kind ein Märchen erzählte, hinter dem die einzige große Wahrheit steht, dass es nämlich nichts gibt, über das es sich nicht in Offenheit, Klarheit, Wahrheit und Genauigkeit sprechen ließe. 

III. SICH IN GOTT HINEIN VERTRÖSTEN 

Wer schließlich betet, der bittet Gott, der ruft ihn dankend und klagend an, um in solcher Anrufung Gottes aus sich selbst herauszugehen; man kann sich dabei zu seinem eigenen Wohl selber vergessen. Doch wer sich betend vergisst, der wird sich selbst und mehr als sich selber finden. Er wird Gott finden. Und er wird sich von Gott die Augen dafür öffnen lassen, was er in der Welt zu tun hat. 

Weniges ist uns so erschreckend abhanden gekommen wie die Fähigkeit, zu klagen und zu trauern, und dann erst recht die Kunst, die Trauernden zu trösten. Nur ist wahrer Trost etwas anderes als Vertröstung auf später. Letztlich kann man einen Menschen nur mit Gott trösten. Der unbegreifliche, aber liebende Gott muss ihm ansichtig werden. Wie dieser Gott dann selbst den trauernden Menschen tröstet, ob hier, ob drüben, das bleibt nochmals seine Freiheit und sein Geheimnis. (Norbert Lohfink)