Die Fotografin Frauke Thielking zeigt Menschen auf einer hellen Fläche. Sie haben sich auf Hände und Knie gestützt und sind in geordneten Bahnen ausgerichtet. Auf der Fläche sind Markierungen, Pfeile und Zeichen für einen Fußgängerüberweg angebracht. Es könnte ein Parkplatz sein, auf dem die Menschen krabbeln – nein, nicht krabbeln, sondern festsitzen in ihrer Pose. Sie warten. Auf den einzelnen Stellflächen, am Ausgang derselben, auf den Wegen. Warten wie sonst die Autos, im Stillstand.  
Stillstand – „Lockdown“ – das ist bis heute noch unser momentaner Zustand. Wir sind in Habachtstellung, in Warteposition. Keine Bewegung, auch kaum Autos. Dabei benehmen sich die meisten so geordnet wie die Menschen auf dem Bild.  
Wir haben unsere Bedürfnisse eingeschränkt, mussten in die Knie gehen vor der Ansteckungsgefahr. Unser Leben ist stiller geworden, zum Wohl aller. Dass dabei einiges auf der Strecke bleibt, ist offensichtlich. Doch viele probieren- um im Bild zu sprechen –„ein paar Schrägen“ wie die Frau im grünen Mantel: Sie bemühen sich, im Rahmen des Möglichen und Erlaubten Lebendigkeit spürbar werden zu lasst. Und nun sind wir in der Anspannung des „Auf die Plätze, fertig, los…“. Doch so richtig „los“ wird es nicht gehen, zumindest nicht mit einem Sprint, sondern eher mit einem vorsichtigen Tasten. VS