Wer Traurigkeit erlebt hat, wird das Gedicht von Monika Rinck nachfühlen können. Auf ihre Lyrik gestoßen bin ich vor Jahren im Zuge unserer Reihe „Poesie in der Galerie“ in der Galerie Holger Priess und habe mich gleich in ihre Sprache verliebt…VS 

Seltsam, wie körperlich doch die Traurigkeit ist.  

Wie eine Verbindung, die sich nicht lösen lässt, 

weil es keine ist, weil es vielmehr eine Sphäre ist,  

die größte aller Sphären ist, in der alles Nähe ist.  

Die Traurigkeit, seltsam wie tief im Körper sie sitzt,  

wenn du nicht weißt, wo die tiefste Tiefe des Körpers ist, 

musst du nur schauen, wo die Traurigkeit sitzt. 

Schnauf. Wie körperlich doch die Traurigkeit ist.  

Monika Rinck  

Erschienen in: ALLE TÜREN. Berlin 2019.