Unser geschätzter ehemaliger Kollege, Dr. Hans Gerd Schwandt, sendet uns zu Pfingsten eine tröstliche Sequenz aus dem 12. Jahrhundert. Dabei betont er, dass sich gerade der Geist Gottes allem allzu Verständlichen entzieht, auch den bekannten Bildern. VS

Pfingsten, das ist im wörtlichen Sinn das spirituellste Fest des Kirchenjahrs, das intellektuellste auch, das uns Denkleistung abverlangt, das uns am wenigsten mit nachvollziehbarem Geschehen versorgt, trotz des Bilds von den Feuerzungen, mit denen der Geist die zagenden Jünger ergreift. Der Geist, die dritte Person im einen Gott – das lässt die Bilder versagen. Wen wir da glauben, das können wir nur mühsam affirmativ bezeugen, aber wir können es anrufen als ersehnt. Das finde ich tröstlich, in einer dürren Zeit, in einer erkalteten Welt – wie es schon die Pfingstsequenz im 12. Jahrhundert formuliert: 

Lava, quod est sordidum
riga, quod est aridum
sana, quod est saucium.

Flecte, quod est rigidum
fove, quod est frigidum
rege, quod est devium

nn

Wasche, was beflecket ist,
heile, was verwundet ist,
tränke, was da dürre steht.

Beuge, was verhärtet ist,
wärme, was erkaltet ist,
lenke, was da irregeht.